Takelung

Grossmars Wie jede andere Fregatte der Zeit war auch die Constitution als dreimastiges Vollschiff getakelt.  Eine allgemeine Übersicht über die Vollschiffstakelage des 18. Jahrhunderts findet man im Lexikon von Line of Battle .

Die Takelage der Constitution war im Laufe der Zeit  zahlreichen Änderungen unterworfen. Bereits im 1794 erschienenen Werk Kapitän Thomas Truxtuns zur Takelage finden sich Spierenabmessungen und ein Segelplan für die geplanten neuen 44-Kanonen-Schiffe. Auf dem Plan wirkt das Schiff im Vergleich zur später geführten Segelfläche etwas untertakelt, was allerdings nicht zuletzt daran liegt, daß keine Segel über den Bramsegeln dargestellt sind.  Truxtuns Spierenabmessungen und Plan müssen wohl mit Zurückhaltung betrachtet  werden, denn wahrscheinlich wurde die Constitution 1798 nicht nach seinen Vorschlägen getakelt.1 Ein Hinweis darauf sind in den Papieren Josuha Humphreys'  überlieferte Spierenabmessungen, die jedoch bedauerlicherweise nicht datiert sind.2 Zwar vermutet Marquardt, sie könnten die Takelung von "1797" wiederspiegeln, aber die Liste könnte auch zu einem etwas späteren Zeitpunkt entstanden sein. Die aufgeführten Abmessungen der besagten Liste ähneln sehr denen in einer sicher auf 1803 datierten Liste. Letztere ist folgend im Vergleich mit Truxtuns Vorschlägen in Auszügen wiedergegeben.

           Truxtun 1794
              Liste von 1803
                 Längen                     Längen
           Fuss  Inch                Fuss  Inch
                               
         Grossmast  101  6                101  
         Grossmarsstenge  60  9                61  6
         Grossbramstenge  48  8               36 6
         Grossroyalstenge - -                18  6
         Fockmast  93  8                96  
         Fockmarsstenge  57  8                59  6
         Fockbramstenge  46                 32 9
         Fockroyalstenge  -  -                17  
         Kreuzmast  93  8                90  
         Kreuzmarsstenge  62  4                50  10
         Kreuzroyalstenge  -                  12  
                               
         Großrah  87                  92  
         Grossmarsrah  61  7                64  
         Grossbramrah  43  8                44  
         Grossroyalrah  32  10                21  
         Fockrah  82  8                86  
         Fockmarsrah  58  7                60  
         Fockbramrah  41  7                40  6
         Fockroyalrah  31  3                29  
         Kreuzrah  62                  64  
         Kreuzmarsrah  43  11                46  
         Kreuzbramrah  31  2                30  
         Kreuzroyalrah  -  -                20  6
                               
         Bugspriet  62  6                64  
         Klüverbaum  47                  51  
         Aussenklüverbaum  -  -                60  
         Blinderah 58 7                60  
         Oberblinderah 41 7                -  -

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Vergleich von Truxtuns Liste mit der dazugehörigen Zeichnung ergibt, daß in ersterer sehr wohl "Royals" bzw. deren Rahen aufgeführt sind, die im Plan nicht erscheinen. Nach Truxtuns Vorgaben wären die Schiffe also nicht ganz so untertakelt gewesen, wie ein der Blick auf die Zeichnung nahlegt. Insgesamt sind die Abmessungen der Rundhölzer für 1803 größer als die Truxtuns. Zwar sind in dessen Liste die Bramstengen länger, aber nur deswegen, weil an ihnen auch die Royals gesetzt wurden. Nach Truxtuns Vorschlag hat der Kreuzmast nur eine Marsstenge, die allerdings lang ausfällt (daher in der List "pole" genannt). 1803 sind für alle Masten separate Royalstengen vorhanden. Mit Ausnahme der Royalrahen sind 1803 die Rahen deutlich länger als in Truxtuns Vorschlägen. Die Royalsegel besaßen nach Truxtuns Vorschlag trotz größerer Breite eine geringere Gesamtfläche, da sie ohne eigene Stengen niedriger ausfielen. 

"A 44 Gun Frigate in the Navy of the U.S. of America, Masted according to the annexed System.."

Während Truxtuns "General Proportions" ein Vorschlag für eine einheitliche Takelung der gerade geplanten Schiffe (von 44 und 36 Kanonen, d.h. Constitution und Constellation-Klasse) sein sollte, wurden sie tatsächlich alle unterschiedlich getakelt. In der Frühzeit der U.S. Navy waren die Spierenabmessungen auch für einzelne Schiffsklassen noch nicht standardisiert, so daß die Rundhölzer und Details der Takelung der Schwesterschiffe United States und President unterschiedlich ausfielen, je nach dem Dafürhalten des jeweiligen Kommandanten oder der Verfügbarkeit entsprechender Hölzer.   

Aus den ersten Dienstjahren der Constitution scheint  keine detaillierte und zuverlässige bildliche Darstellung überliefert zu sein, auf der man das Schiff in seinem ursprünglichen Zustand sieht. Die erste präzise Darstellung ist ein Aquarell, welches das Schiff um etwa 1805 zeigt. Hier ist auch die Takelage gut erkennbar.  Zu diesem Zeitpunkt waren an der Takelage wahrscheinlich schon viele Änderungen vorgenommen worden; zumindest gaben gesprungende Rundhölzer in der Frühzeit recht häufig Anlaß zu Reparaturen. Eine weitere interessante Darstellung ist ein Kommodore Rodgers zugeschriebenes Aquarell, welches das Schiff mit auffälligen, dreieckigen Royals zeigt - es ist wohl die einzige Darstellung des Schiffs, auf der sie zu sehen sind. 

Die  auf den ersten Blick zuverlässigste visuelle Darstellung der historischen Takelage der Constitution ist ein Plan von 1817, der  vom Segelmacher  Charles Ware angefertigt wurde.  K.H. Marquardt sieht den Plan allerdings skeptisch, da die Constitution zu dem Zeitpunkt, als er entstand, aufgelegt und somit abgetakelt war.  Zudem erscheinen ihm die großen Längen der von Ware gezeigten, sehr langen Royal- bzw Skysail-Poles (Stengen) als "drafting error".  

Constitution-Segelplan 1817

 Anmerkungen

1: Sowohl Chapelle als auch Canney erwähnen den Plan, messen ihm aber offensichtlich für die tatsächliche Takelung der Fregatten keine große Bedeutung zu. Lediglich Mark Lardas erweckt in seinem nicht sehr ernstzunehmenden "Osprey"-Band über "American Heavy Frigates", S.9,  den Eindruck, als  seien die Fregatten der Constitution-Klasse tatsächlich entsprechend getakelt worden. 

2 : Diese Liste ist abgedruckt bei Karl Heinz Marquardt, Constitution, S. 30f. 

Bauzustände

Die Constitution bei Reparaturen 1858.

Hölzerne Schiffe bedurften regelmäßiger Reparaturen, die oft grundlegend ausfielen. Viele Reparaturen kamen einem Neubau unter Verwendung  eines gewissen Anteils des ursprünglichen Materials des Schiffs gleich. Über die Constitution schrieb George Jones im Jahre 1826: 

"Her Hulk is the original one; but from the water up, a great part is modern: she is the same, in model and size, however, as in the late war (...)" Jones, S.91. 

Die Fregatte war zu dieser Zeit noch keine dreißig Jahre alt, aber schon duch die Reparaturen der letzten knappen zehn Jahre seit dem hier gemeinten "letzten Krieg" von 1812-1815 war sehr viel erneuert worden. 

Durch Reparaturen und Modernisierungen änderte sich das äußere Erscheinungsbild eines Schiffs oft beträchtlich. Folgend soll versucht werden, einen groben Überblick über die wichtigsten Reparaturen und Änderungen zu geben.  

Reparaturen und Änderungen des Rumpfs

Zu den regelmäßig notwendigen Arbeiten am Schiff gehörte es, den Boden (d.h. das Unterwasserschiff) zu reinigen und den Kupferbeschlag zu erneuern, der diesen vor "Bewuchs" schützte.  Weil die ersten Trockendocks in den U.S.A. erst  1833 fertiggestellt wurde, mußten die Schiffe für diese Arbeiten zuvor gekielholt werden (siehe Abbildung).  Dabei wurde der von allen beweglichem Inventar und der bis auf die Untermasten abgetakelte Rumpf mittels Winden an einer Landestelle (wharf) auf die Seite gelegt werden. Dieses Manöver bedeutete für die Verbände eines hölzernen Rumpfs eine große Beanspruchung und konnte auch zu strukturellen Schäden führen. Als das Trockendock des Marinewerft Charlestown eröffnet und die Constitution im Juni 1833 eingedockt wurde, war sie erst das zweite Schiff in den USA, das in ein Trockendock kam; das erste war nur wenige Tage zuvor USS Delaware im Gosport Navy Yard, Norfolk.  

Frigate hove downIn gewissen zeitlichen Abständen waren bei hölzernen Schiffen Grundreparaturen notwendig, bei denen oft ein sehr großer Anteil nicht nur der Beplankung sondern auch der Inhölzer ausgetauscht werden mußteb. Bei solchen Gelegenheiten konnten auch Verbesserungen verwirklicht werden. Leider existierenen von der Constitution keine Pläne vom Zustand nach dem Stapellauf, so daß keine Sicherheit über das Erscheinungsbild des Schiffs in den ersten Jahren besteht. Um 1805 hatte das Schiff gegenüber den Originalplänen eine beplankte Achterdecksreling und Finknetzstützen für Hängematten im Kuhlbereich.

Bauliche Anpassungen am Schiff waren auch dann nötig, wenn die Bewaffnung geändert wurde. Da die Größe der Stückpforten von den Kalibern der Geschütze abhing, und Carronaden oft noch größrere Pforten erhielten als Kanonen gleichen Kalibers, sind die Oberdeckstückpforten der Constitution höchstwahrscheinlich im Vergleich zu den auf den Originalplänen gezeigten vergrößert und umgesetzt worden.  Der Krieg von 1812 brachte einige grundlegendere Veränderungen. Während der Verfolgung des Constitution durch das britische Geschwader im Juli 1812 erwies es sich als notwendig, Geschütze am Heck aufzustellen. Offensichtlich waren die Möglichkeiten, dies zu tun, nicht optimal, und so mußte improvisiert werden.  "Got a 24 pounder  up off the Gun deck for a stern chaser, and the long 18 pounder from the forecastle aft: Cut away the Taffrail to give them room, and run two guns out of the cabin windows." 

Dekorationen

Bug des zeitgenössischen Modells der Constitution von 1812. Mehr noch als der Rest des Schiffs waren die dekorativen Schnitzereien Änderungen unterworfen; die hauptsächliche Ursache dafür war vermutlich, daß die relativ empfindlichen und exponierten Objekte häufig beschädigt wurden. 

Das ursprüngliche Dekorationsprogramm des Schiffs wurde von William Rush entworfen. Den Bug zierte eine Herkules-Figur ganzer Länge, und das Heck war mit allegorischen Figuren republikanischer Ideologie geschmückt. Leider sind keine Zeichnungen Rushs überliefert. Auf einem Gemälde Michele Felice Cornés von etwa 1803 ist die Herkules-Galionsfigur erkennbar, ein weiteres Gemälde desselben Künstlers von ca 1805 - 1807 (Battle of Tripoli) läßt die Dekorationen des Hecks erahnen.  Die Figuren scheinen entweder vergoldet oder, wahrscheinlicher, in einem entsprechenden Ockerton angestrichen zu sein. In der Gillung ist der Schiffsname zu sehen. 

1804 verlor die Constitution bei einer Kollision mit President im Mittelmeer die Herculesfigur, die daraufhin durch eine einfache Galionskrulle (billet head) ersetzt wurde. Für deren genaue Beschaffenheit scheint es keine Quellen zu geben. Lange Zeit war das Galion nun mit "billet heads" verziert, bis die Constitution auf Veranlassung des Kapitäns Jesse D. Elliott bei einer Repraratur im Charlestown Navy Yard 1834 als Galionsfigur ein Bildnis des damaligen Präsidenten Andrew Jackson erhielt, die von Laban S. Beecher geschnitzt wurde.  Die Figur zeigte den Präsidenten im Umhang, mit einer Schriftrolle in der rechten und Hut in der linken Hand (siehe Abb. ganz unten). Jackson war jedoch in Boston unbeliebt, und die Einwohner der Stadt sahen ihr berühmtes Schiff durch die neue Galionsfigur geschändet.

Heck des zeitgenössischen Modells von 1812.

Ein politischer Gegner enthauptete diese nicht sehr ansehnliche Figur bei einem nächtlichen Anschlag, woraufhin sie repariert werden mußte. 1846 wurde die alte Jackson-Figur durch eine neue,  künstlerisch weit bessere von J.D. und W.H. Fowle ersetzt. Diese zweite  Andrew Jackson-Figur ist auf den ersten Fotografien der Constitution aus den 1850er und 1860er Jahren noch zu sehen. Sie wurde 1876 wiederum durch ein "billet head" ersetzt. 

Die Veränderungen des Hecks sind leider noch weniger gut dokumentierbar als die der Galionsfigur.  Das ursprüngliche Figurenprogramm scheint im Laufe de Zeit bei Beschädigungen nicht mehr vollständig bzw. durch einfachere Schnitzereien ersetzt worden zu sein.  Das heutige, spartanische Aussehen mit nur noch drei Heckfenstern stammt vermutlich erst aus den 1850er oder 1870er Jahren.

 

Anstriche  

Man nimmt an, daß die Constitution zu Beginn ihres Daseins mit einen Außenanstrich aus Ocker (Pfortengang) und Schwarz (Berghölzer) versehen war. Genauere Aussagen ermöglicht erst die bereits erwähnte Seitenansicht (1805) von Corné. Der Anstrich weist keine spektakulären Besonderheiten auf, allerdings ist der für den Batteriestreifen verwendete gelbe Farbton sehr hell; er wird für die amerikanischen Fregatten President und Constellation durch mehrere zur dieser Zeit entstandenen Gemälde von Antoine Roux bestätigt.  Eine kleiners Merkmal, das an französische Schiffe erinnerte, war das halbkreisförmige Ende des gelben Streifens am Bug. 

Sonstiges 

Der Krieg von 1812 brachte einige grundlegendere Veränderungen. Während der Verfolgung des Constitution durch das britische Geschwader im Juli 1812 erwies es sich als notwendig, Geschütze am Heck aufzustellen. Offensichtlich waren die Möglichkeiten, dies zu tun, nicht optimal, und so mußte improvisiert werden.  "Got a 24 pounder  up off the Gun deck for a stern chaser, and the long 18 pounder from the forecastle aft: Cut away the Taffrail to give them room, and run two guns out of the cabin windows."  

 

Constitution aufgelegt, Juni 1834.

 

 

 Literatur

Tyrone Martin, A most Fortunate Ship.

Donald Canney, Sailing Warships of the U.S. Navy.

Karl Heinz Marquardt, U.S.S. Constitution. 

 M.V. Brewington, Shipcarvers of North America.

Bewaffnung

Constitution Cannon

Das wichtigste Geschütz der Segelkriegsschiffe war die Kanone. Fregatten führten auf ihrem einzigen vollständig bewaffneten Geschützdeck je nach Größe zwischen 20 und 30 davon. Die Kanonen des Batteriedecks besaßen üblicherweise alle dasselbe Kaliber und dieselbe Rohrlänge. Die typischen Fregatten aus dem Ende des 18. Jahrhunderts führten als Hauptkaliber 9- 12- oder 18-Pfünder, sehr selten 24-Pfünder.  

Eine britische Neuentwicklung aus der Zeit des Unabhängigkeitskrieges waren die Carronaden. Dies waren sehr kurze und leichte, aber großkalibrige Geschütze.  Die wichtigsten Kaliber waren 24- und 32-Pfünder. Carronaden wurden auf Back und Achterdeck von Fregatten aufgestellt, neben leichteren Kanonen. Die Constittuion besaß bei ihrer Indienststellung 1798 noch keine Carronaden auf dem Oberdeck, sondern hatte dort noch  Kanonen.  

 

Allgemeines zur amerikanischen Schiffsartillerie 

Die USA waren Ende des 18. und zu Beginn des 19. Jhdts noch nicht in der Lage, den Bedarf an Geschützen durch die eigene Industrie vollständig zu decken, so daß auch Geschütze importiert wurden, insbesondere aus Großbritannien.  

Die Besonderheiten der amerikanischen Geschützentwürfe gegenüber britischen lag im höheren Gewicht des Rohrs im Verhältnis zum Geschoß.  Dies hatte insbesondere bei Carronaden den Vorteil, daß der Rückstoß etwas geringer ausfiel und sie anscheinend wengier oft umkippten als britische Modelle.  Der Nachteil höheren Gewichts liegt natürlich in der schwereren Handhabung und der zusätzlichen Belastung des Schiffs.  Ein äußeres Kennzeichen amerikanischer Kanonen war die Fortlassung  des sogenannten Mittelbandes (ein Verstärkungsring in der Mitte des Rohrs) wie es auch bei den Franzosen üblich war.  Während dies auch auf die britischen Geschütze nach dem Blomefield-Muster nach 1796 zutraf, zeigt die Zeichnung eines amerikanischen 24-Pfünders von 1807 zudem, daß der Fries des 1. Bruchs fortgelassen wurde. Das Rohr besaß einen Brookrauring wie das Blomefield-Muster.

 

Die Bewaffnung der Constitution 

1793 hatte Humphreys für die großen Fregatten eine Hauptbatterie von entweder 28 32-Pfündern oder 30 24-Pfündern vorgeschlagen. Auf dem Achterdeck - wohlgemerkt sprach Humphreys nicht vom gesamten  "spar deck" - sollten 12-Pfünder aufgestellt werden, wobei er keine genaue Zahl nannte.1 Die Entwürfe wurden schließlich für 30 24-Pfünder auf dem Batteriedeck ausgelegt.  Gegen Ende ihrer aktiven Dienstzeit, 1847,  wurde die Constitution dann übrigens doch noch mit einigen 32-Pfündern auf dem Batteriedeck ausgerüstet. Bemerkenswert ist, daß Humphreys für das Achterdeck noch eine Bewaffnung aus Kanonen vorschlägt und die seit dem amerikanischen Unabhängigkeitskrieg üblich gewordenen Carronaden noch keine Berücksichtigung fanden.  

Die Aussagen zur Bewaffnung des Schiffs während des ersten Einsatzes im amerikanisch-französischen "quasi war" sind ziemlich unterschiedlich. Nach Magoun befanden sich  achtundwzanzig 24-Pfündern auf dem Batteriedeck und zehn 12-Pfündern auf dem Achterdeck bewaffnet, die aus Großbritannien stammten.2 Canney gibt 30 24-Pfünder und 14 - 16 18-Pfünder an; nach Tyrone Martins Darstelling erscheint es, als habe das Schiff 30 24-Pfünder, 14 18-Pfünder und 16 12-Pfünder geführt, was jedoch selbst für die Constitution eine übermäßige Bürde gewesen sein könnte. 

Nach dem Einsatz gegen Tripolis wurden die Kanonen auf dem Spar Deck durch 42-Pfünder-Carronaden ersetzt.

Bei der Ausrüstung der Fregatte im Sommer 1811 entschloß sich Kapitän Hull, die schweren 42-Pfünder-Carronaden auf dem Wetterdeck nicht wieder aufstellen zu lassen. Eine weitere Stückpforte soll im Bereich des Kuhl eingebaut worden sein, um dort gegebenenfalls die beiden 24-Pfünder der Back, die vermutlich sonst als Jagdgeschütze dienten, aufstellen zu können. Dies waren aufgebohrte britische 18-Pfünder.3

Im Gefecht der Constitution gegen die Guerriere bestand die Bewaffnung aus: 30 x 24-Pfünder-Kanonen, 24 x 32-Pfünder -Carronade, 2 x 24-Pfünder-Kanonen (aufgebohrte 18-Pfünder).4

Der bereits zitierte George Jones berichtet für das Jahr 1826, daß die Constitution mit Ausnahme von zweien noch dieselben Geschütze besäße wie im Krieg von 1812, "some of them are marked by the enemy's balls."5    

Datum        Batteriedeck   Oberdeck      Total 
     Zahl  Kalib. Typ    
 
 Zahl  Kalib. Typ     
1794*    30  24  Kan.    14  12  Kan.    44
1798   30  24  Kan.    14/16  18  Kan.   44/46 
1803   30  24  Kan.    16  18  Kan.    46
1804    30  24  Kan.    14  12  Kan.    
             8  32  Carr.    52
1809   30  24  Kan.    18  42  Carr.    
               2  24  Kan.    50
1812   30  24  Kan.    24  32  Carr.    
               1  18  Kan.    55
1834      24  Kan.    20  32  Carr.    
             2  24  Cong.    
1843     26   24  Kan.    20   32   Carr.    50
      4   68   Paix.            
1847   26   32  Kan.    20  32  Kan.    50
      4    8''  Paix.            
1860    6 32-Pdr. 42 Cwt, 10 32-Pdr 33 Cwt  16
                     

 *Diese Bewaffnungsangaben sind auf einem Takelplan von 1794 vermerkt, also Jahre vor der Fertigstellung.  1798 hätte die Constitution tatsächlich entsprechend bewaffnet werden sollen, es waren aber nicht genug 12-Pfünder verfügbar.

 

 

 

Anmerkungen

 1Joshua Humphreys am 6. Januar 1793  an Robert Morris; H,C. S. 36. 

2 Hollis, S. 43.

3 William James,Naval History Vol VI, S. 97.

4 William James, Account, S. 108.

5 Jones, S. 91. 

 

 

Konstruktion und Bau

Der Bau der 44-Kanonen-Fregatte Constitution

President 1815

Die Constitution wurde in Boston auf Kiel gelegt. Die Bauausführung lag bei George Claghorn, die Aufsicht bei Kapitän Samuel Nicholson, der übrigens der erste Kommandant des Schiffs wurde.  

Über den Baufortschritt der Constitution wurde am 12. Dezember 1795 an den Kongreß berichtet:

Statement of the Progress made in building a frigate, to carry fourty-four guns, at Boston, under the direction of Mr. George Claghorn,  Naval Constructor, and Captain Samuel Nicholson, Superintendent. 

The Keel is completed and laid on the blocks. The pieces are scarfed and bolted to each other in the best manner. The stern frame is now completing, and will be soon ready to rise. The stern is also putting together, every part worked to the moulds. About two-thirds of the live oak timbers have been received, and are all worked agreeable to the moulds; great part of those timbers are bolted together in frames, and are ready to put into the ship, but some of the principal pieces for the frame have not yet arrived. All the gun deck and lower deck beams are procured and ready for delivery, and the plank for those decks are received into the yard. The plank for outside and ceiling are also received, and are now seasoning. The copper is all in the public stores. The masts, bowsprit, yards, and other spars, are all ready for working. The bits for the cables, coamings for the hatchways, partners for the masts, are all ready. The caboose, with a forge, hearth, armorer's tools, spare coppers, biolers, &c. are all complete. Most of the iron work is in great forwardness. All the necessar contracts are entered into by the agend, and the articles contracted for are daily awaiting.

Am 15. März 1796 wurde der Weiterbau der Fregatten aufgrund des Friedensvertrages mit Algiers unterbrochen; am 17. wurde bestimmt, daß zwei der 44-Kanonen-Fregatten und eine von 36 Kanonen fertiggestellt würden.
Am 11. Januar 1797 wurde über den Baufortschritt berichtet. 

Statement of the progress made in building a Frigate at Boston, to carry forty-four guns.

The whole frame is raised, and is ready for planking; the wales are prepared, and it is expected will be on and fastened this month; the keelsons are in their places and bolted off. the masts are now in hand, and the boats are building; all the dead eyes for the lower and topmast shrouds are made and strapped; the knees for all the decks are procured, as ell as the beams, carlings, ledgers, &c.; iron ballast sufficient is in store, and the necessary materials for completing the hull are procured and received.

The hemp for the cables, rigging &c. and blocks, are in the hands of the respective tradesmen, manufacturing; and if the winder should prove favorable, there is no doubt but this frigate may be launched in July next.


Der Bericht vom 17. Juni 1797 ist im Hinblick auf die "diagonal riders" interessant; es ist die einzige Quelle, die den Einbau dieser Elemente bestätigt (zu diesen problematischen Bauteilen siehe den letzten Absatz). 

Constitution.

The bottom of this ship is squared off, and the calkers are at work. The various decks are laying; the breasthooks, diagonal riders, and counter timbers, are all in and secured, and the mast makers are employed on the masts and yards. All the boats except the pinnace are built.

The riggers are at work on the rigging, which will be soon ready; the water casks are in hand; sails are preparing, and the constructor reports the ship may be launches about the thwentieth of August next- the Captain is of opinion she mey be completed in one month after.

Am 26. 12. 1797 endlich meldete Secretary of War James McHenry:

The Constitution was launched at Boston on the 21st of October last, since which time the various artificers have been employed in finishing the hull, and the store rooms, &c. in the interior of the vessel; ; all the lower masts are in their places, and hte riggers employed in rigging them. This ship will be ready in a short time to receive her offiicers and crew, and consequently for for service early in the ensuing spring.

 

Macedonian-President

 Details und Besonderheiten der Konstruktion

Ein bekannter Mythos über die Constitution ist jener, daß ihre Seiten für die Geschosse des Gegners undurchdringlich gewesen seien; darauf basiert der Spitzname „Old Ironsides“. Gerne wird die Schußfestigkeit dann mit der Verwendung der besonders dichten Live Oak begründet.

Live Oak war aber auch für die nordamerikanischen Werften nur in begrenztem Umfang zu beschaffen, und die Bauvorschrift sieht die Verwendung nur für ausgewählte Bauteile vor – und offenbar nicht für die Beplankung.

Insgesamt ist in der Bauvorschrift für die Constitution nicht viel zu entdecken, was man als besondere oder revolutionäre Bauweise betrachten könnte. In einem Vergleich mit großen britischen Fregatten stellte Robert Gardiner fest, daß die Bauteile angesichts der Größe des Schiffs keineswegs überproportional stark im Vergleich zu britischer Praxis bemessen seien.

Ein deutlicher Unterschied liegt allerdings darin, daß die Abstände zwischen den Spanten bei der Constitution-Klasse geringer und die Spanten selbst mehr Materialtiefe (bei den unteren Spantteilen) aufweisen.

Weiterhin ist bemerkenswert, daß in der Bauvorschrift gefordert wurde, den Kiel dieser langen Schiffs nur aus drei Stücken zu fertigen. Bei deutlich kleineren britischen 38-Kanonnen-Fregatten bestand er aus bis zu sechs. Eine geringere Anzahl von Bauteilen ist vorteilhaft, da jede Verbindungsstelle eine Schwachstelle bildet und eine aus vielen Teilen zusammengesetzter Kiel ehr dazu neigt, sich durchzubiegen.

Der Kiel der Constitution besteht allerdings im Gegensatz zur Forderung der Bauvorschrift aus vier Teilen; auch dies ist natürlich noch relativ wenig.

Zur Längsfestigkeit der Constitution-Klasse sollten weiterhin einige Paare besonders starker Gänge von Decksplanken dienen. Dies war auch keine konstuktive Neuheit, doch auf britischen Fregatten waren statt der vier Paar nur zwei Paar dieser Gänge üblich.

Das einzige originäre Konstruktionselement der Constitution-Klasse ist gleichzeitig auch das umstrittenste: Eine weitere Maßnahme zur Verbesserung der Längssteifigkeit der Klasse sollten nach Humphreys Absicht im Einbau einer besonderen Art von Diagonalverstebungen bestehen (diagonal riders). Sie sollten im Schiffsraum (hold) auf der Innenbeplankung befestigt werden. Bei der Constitution galt bis in letzte Zeit nicht sicher, ob sie diese Verstrebungen bessessen habe- da der Einbau im oben erwähnten Rapport in den Kongreß erwähnt wird, waren zu zunächst wahrscheinlich vorhanden. Bei der Constellation wurde auf Dringen Kapitän Truxtuns auf den Einbau verzichtet; die von den Briten erbeutete Predsident besaß zumindest zum Zeitpunkt ihrer Kaperung keine „diagonal riders“, wenn sie denn je welche besaß.Die von Humphreys selbst gebaute United States besaß die Verstrebungen nachweislich. Sie wurden jedoch anläßlich einer Reparatur schon 1806 entfernt und wahrscheinlich nicht wieder eingebaut.

Daß die "diagonal riders" nicht funktionierten, wie erhofft, wurde später auch von Joshua Humphreys' Sohn Samuel bestätigt, als dieser selbst Konstrukteur war.2

In den 1990er Jahren wurden zur Stabilisierung der Constitution wiederum Diagonalstreben nach der Idee Humphreys' eingebaut, die nun wirksam scheinen. Dies liegt offenbar daran, dass sie jeweils aus einem einzigen, zusammenlaminierten Stück bestehen, während sie zu Humphreys Zeit aus drei Einzelteilen zusammengesetzt und verblattet waren. Diese Verblattungen waren sehr wahrscheinlich der entscheidende Schwachpunkt, der Humphreys Diagonalstreben seinerzeit unwirksam machte. Wegen der schwachen Verbindungsstellen konnten die ursprünglich verbauten Streben dem „Hogging“ nicht entgegenwirken.3  

 

Anmerkungen

1: Donald Canney, S.36. 

2: Robert Gardiner: Frigates of the Napoleonic Wars, S. 195 Fußnote 62.
3: Donald Canney, S. 28.