Takelung

Grossmars Wie jede andere Fregatte der Zeit war auch die Constitution als dreimastiges Vollschiff getakelt.  Eine allgemeine Übersicht über die Vollschiffstakelage des 18. Jahrhunderts findet man im Lexikon von Line of Battle .

Die Takelage der Constitution war im Laufe der Zeit  zahlreichen Änderungen unterworfen. Bereits im 1794 erschienenen Werk Kapitän Thomas Truxtuns zur Takelage finden sich Spierenabmessungen und ein Segelplan für die geplanten neuen 44-Kanonen-Schiffe. Auf dem Plan wirkt das Schiff im Vergleich zur später geführten Segelfläche etwas untertakelt, was allerdings nicht zuletzt daran liegt, daß keine Segel über den Bramsegeln dargestellt sind.  Truxtuns Spierenabmessungen und Plan müssen wohl mit Zurückhaltung betrachtet  werden, denn wahrscheinlich wurde die Constitution 1798 nicht nach seinen Vorschlägen getakelt.1 Ein Hinweis darauf sind in den Papieren Josuha Humphreys'  überlieferte Spierenabmessungen, die jedoch bedauerlicherweise nicht datiert sind.2 Zwar vermutet Marquardt, sie könnten die Takelung von "1797" wiederspiegeln, aber die Liste könnte auch zu einem etwas späteren Zeitpunkt entstanden sein. Die aufgeführten Abmessungen der besagten Liste ähneln sehr denen in einer sicher auf 1803 datierten Liste. Letztere ist folgend im Vergleich mit Truxtuns Vorschlägen in Auszügen wiedergegeben.

           Truxtun 1794
              Liste von 1803
                 Längen                     Längen
           Fuss  Inch                Fuss  Inch
                               
         Grossmast  101  6                101  
         Grossmarsstenge  60  9                61  6
         Grossbramstenge  48  8               36 6
         Grossroyalstenge - -                18  6
         Fockmast  93  8                96  
         Fockmarsstenge  57  8                59  6
         Fockbramstenge  46                 32 9
         Fockroyalstenge  -  -                17  
         Kreuzmast  93  8                90  
         Kreuzmarsstenge  62  4                50  10
         Kreuzroyalstenge  -                  12  
                               
         Großrah  87                  92  
         Grossmarsrah  61  7                64  
         Grossbramrah  43  8                44  
         Grossroyalrah  32  10                21  
         Fockrah  82  8                86  
         Fockmarsrah  58  7                60  
         Fockbramrah  41  7                40  6
         Fockroyalrah  31  3                29  
         Kreuzrah  62                  64  
         Kreuzmarsrah  43  11                46  
         Kreuzbramrah  31  2                30  
         Kreuzroyalrah  -  -                20  6
                               
         Bugspriet  62  6                64  
         Klüverbaum  47                  51  
         Aussenklüverbaum  -  -                60  
         Blinderah 58 7                60  
         Oberblinderah 41 7                -  -

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Vergleich von Truxtuns Liste mit der dazugehörigen Zeichnung ergibt, daß in ersterer sehr wohl "Royals" bzw. deren Rahen aufgeführt sind, die im Plan nicht erscheinen. Nach Truxtuns Vorgaben wären die Schiffe also nicht ganz so untertakelt gewesen, wie ein der Blick auf die Zeichnung nahlegt. Insgesamt sind die Abmessungen der Rundhölzer für 1803 größer als die Truxtuns. Zwar sind in dessen Liste die Bramstengen länger, aber nur deswegen, weil an ihnen auch die Royals gesetzt wurden. Nach Truxtuns Vorschlag hat der Kreuzmast nur eine Marsstenge, die allerdings lang ausfällt (daher in der List "pole" genannt). 1803 sind für alle Masten separate Royalstengen vorhanden. Mit Ausnahme der Royalrahen sind 1803 die Rahen deutlich länger als in Truxtuns Vorschlägen. Die Royalsegel besaßen nach Truxtuns Vorschlag trotz größerer Breite eine geringere Gesamtfläche, da sie ohne eigene Stengen niedriger ausfielen. 

"A 44 Gun Frigate in the Navy of the U.S. of America, Masted according to the annexed System.."

Während Truxtuns "General Proportions" ein Vorschlag für eine einheitliche Takelung der gerade geplanten Schiffe (von 44 und 36 Kanonen, d.h. Constitution und Constellation-Klasse) sein sollte, wurden sie tatsächlich alle unterschiedlich getakelt. In der Frühzeit der U.S. Navy waren die Spierenabmessungen auch für einzelne Schiffsklassen noch nicht standardisiert, so daß die Rundhölzer und Details der Takelung der Schwesterschiffe United States und President unterschiedlich ausfielen, je nach dem Dafürhalten des jeweiligen Kommandanten oder der Verfügbarkeit entsprechender Hölzer.   

Aus den ersten Dienstjahren der Constitution scheint  keine detaillierte und zuverlässige bildliche Darstellung überliefert zu sein, auf der man das Schiff in seinem ursprünglichen Zustand sieht. Die erste präzise Darstellung ist ein Aquarell, welches das Schiff um etwa 1805 zeigt. Hier ist auch die Takelage gut erkennbar.  Zu diesem Zeitpunkt waren an der Takelage wahrscheinlich schon viele Änderungen vorgenommen worden; zumindest gaben gesprungende Rundhölzer in der Frühzeit recht häufig Anlaß zu Reparaturen. Eine weitere interessante Darstellung ist ein Kommodore Rodgers zugeschriebenes Aquarell, welches das Schiff mit auffälligen, dreieckigen Royals zeigt - es ist wohl die einzige Darstellung des Schiffs, auf der sie zu sehen sind. 

Die  auf den ersten Blick zuverlässigste visuelle Darstellung der historischen Takelage der Constitution ist ein Plan von 1817, der  vom Segelmacher  Charles Ware angefertigt wurde.  K.H. Marquardt sieht den Plan allerdings skeptisch, da die Constitution zu dem Zeitpunkt, als er entstand, aufgelegt und somit abgetakelt war.  Zudem erscheinen ihm die großen Längen der von Ware gezeigten, sehr langen Royal- bzw Skysail-Poles (Stengen) als "drafting error".  

Constitution-Segelplan 1817

 Anmerkungen

1: Sowohl Chapelle als auch Canney erwähnen den Plan, messen ihm aber offensichtlich für die tatsächliche Takelung der Fregatten keine große Bedeutung zu. Lediglich Mark Lardas erweckt in seinem nicht sehr ernstzunehmenden "Osprey"-Band über "American Heavy Frigates", S.9,  den Eindruck, als  seien die Fregatten der Constitution-Klasse tatsächlich entsprechend getakelt worden. 

2 : Diese Liste ist abgedruckt bei Karl Heinz Marquardt, Constitution, S. 30f.