Konzeption

Das Konzept der amerikanischen großen Fregatten und europäische Vorläufer 

  
Die Idee, daß für die neu begründete US-Marine besonders große Fregatten gebaut werden sollten, ging   von dem in Philadelphia ansässigen Schiffbauer Joshua Humphreys aus.  Am 6. Januar 1793 schrieb er einen Brief an Robert Morris vom War Office (Kriegsministerium  - eine Marine existierte noch nicht), in dem er seine Gedanken darlegte. Weil eine amerikanische Marine den europäischen zwangsläufig auf längere Sicht unterlegen sein würde, hielt er den Bau von Fregatten für die beste Wahl:  "Such frigates as in blowing weather would be an overmatch for doubledecked ships, or in light winds may evade coming to action by outsailing them. Ships built on these principles will render those of an enemy in a degree useless, or will require them to have a superiority in number before they attack our ships. 
Humphreys beabsichtigte aber nicht, lediglich normale Fregatten zu bauen, 

"for if we should be obliged to take part in the present European war, or at future day we should be dragged into a war with any powers of the Old Continent, especially Great Britain, they having such a number of ships of that size, that it would be an equal chance by equal combat that we lose out ships, and more particularly from the Algerians, who have ships, and some of much greater force."2

Daher war er der Ansicht, daß überlegene, das heißt sehr große und schwer bewaffnerte Schiffe dieses Typs gebaut werden sollten: "...none of them ought to bo built less than one hundred and fifty feet keel, to carry twenty-eight thirty-two pounders, or thirty twenty-four pounders on the gun deck, and twelve pounders on the quarter deck. These ships should have scantlings equal to seventy-fours. As such ships will cost a large sum of money, they should be built of the best materials which can be procured, and the timbers framed and bolted together."
 
1793 legte Humphreys ein Konzept und ein Halbmodell vor, das leider nicht erhalten ist.1 Aus der zeitgenössischen Diskussion ist zu entnehmen, daß das von Humphreys entworfene Schiff 30 Geschütze auf dem Batteriedeck tragen sollte, einen ziemlich aufrechten Vordersteven und eine Poop besaß.

Humphreys erläuterin in seinem Rapport an den Kongress vom Dezember 1794 einige Grundlagen für den Entwurf. 

As soon as Congress had agreed to build frigates, it was contemplated to them the most powerful, and, at the same time, the most useful ships. After the most extensive researches, and mature deliberations, their dimensions were fixed, and I was directed to prepare the draughts; which was accordingly done, and approved. Those plans appear to be similar with those adopted by France, in their great experience in naval architecture.; they having cut down several of their seventy-fours to male heavy frigates; making them nearly of the dimensions of those for the United States. From the construction of those ships, it is expected the commanders of them will have it in their power to engage, or not, any ship, as they may think proper; and no ship, under sixty-four, now afloat, but what must submit to them: these reasons are paramount to all objections, and annihilated opposition. 

Die erwähnten französischen Razées waren die 1793 in Erscheinung getretenen Schiffe Flibustier, Brave, Brutus, Hydre und Scélova.3 Da Humphreys sein Konzept bereits vorm Erscheinen dieser Rasées entwickelt hatte, erwähnte er sie hier möglicherweise, um die Größe seines Entwurfs zu rechtfertigen. Abgesehen von den Rasées gab es, um dies der Vollständigkeit halber zu erwähnen, im Jahre 1794 bereits andere Fregatten mit 24-Pfünder Hauptbatterie, und zwar die schwedischen Schiffe der Bellona-Klasse, die seit 1783 gebaut worden waren. Diese Fregatten waren jedoch gemessen am Konzept Humphreys relativ klein. Sie waren gerade von der Länge wie die zeitgenössische französische 18-Pfünder-Fregatte Hebé (1781).
Eine andere mögliche Inspirationsquelle könnte für Humphreys die große Fregatte South Carolina des amerikanischen Unabhängigkeitskrieges gewesen sein, die nach dem Entwurf des französischen Konstrukteurs Jaques Boux gebaut wurde. Es scheinen jedoch keine konkreten Hinweise darauf vorzuliegen, daß Humphreys von diesem Schiff beeinflußt wurde. 
Was Humphreys an den französischen Razées interessierte, was vermutlich weniger die Konstruktion im engeren Sinne, als das Konzept eines schweren Kreuzers, der über gute Segeleigenschaften verfügte und kein Schiff unterhalb der 64er-Klasse (die kleinsten echten, wenn auch schon obsoleten Linienschiffe) fürchten mußte.  Eine große Fregatte mit 24-Pfünder-Hauptbewaffnung wäre den kleineren Zweideckern wie die britischen 50ern oder gar 44ern nicht nur artilleristisch, sondern auch seglerisch klar überlegen. Bei Fregatten mit einer Hauptbewaffnung von 18- oder 12-Pfündern wäre die Überlegenheit der Segeleigenschaften nicht so groß, oder vielleicht nicht vorhanden - in diesem Fall war aber die Kampfkraft beträchtlich höher. 
 
Die Arbeit an den Entwürfen fand im Verlauf des Jahres 1794 statt.  Neben Humphreys waren die ihm als Assistenten zugeordneten Schiffbauer Doughty und Fox an der Arbeit beteiligt, wobei es zwischen Humphreys und Fox zu Kontroversen kam. Jahrzehnte später nahm Fox für sich in Anspruch, die Schiffe der Klasse seien nach seinen eigenen Entwürfen gebaut worden, da man Humphrey's ursprüngliche Entwürfe im Kriegsministerium zurückgewiesen habe.  Humphreys hingegen klagte, daß Doughty sich bei seiner Zeichenarbeit nicht an die Vorgaben gehalten und erhebliche abweichende Zeichnungen geliefert zu haben, weshalb Humphreys sich genörigt sah, selbst neue anzufertigen. Nach diesen seien die Schiffe der Constitution-Klasse gebaut worden. Während der Tenor der neueren Literatur darin übereinstimmt, Humphreys für den Urheber des Konzepts zu halten, könnten Einwände Fox' durchaus in den konkreten Entwurf eingeflossen sein. Das grundlegende Konzept, die übergroßen Fregatten zu bauen, stammt eindeutig von Humphreys, während Fox stets für den Bau kleinerer Fregatten eintrat. 
 
 

 

Betrachtung des Entwurfs der Constitution-Klasse
 
Das bedeutendste Merkmal des Entwurfs ist seine Größe und damit verbunden die Schwere der Bewaffnung, welche die Fregatte tragen konnte. Humphreys hatte in einem ersten Vorschlag für die Hauptbatterie entweder 28 32-Pfünder oder 30 24-Pfünder vorgeschlagen. Man entschied sich für letzteres.  
Für diese Bewaffnung waren auf dem Batteriedeck pro Seite 15 Stückpforten vorhanden. Zusätzliche Bugpforten, wie sie in Howard Chapelles Rekonstruktion zu sehen sind, gab es zumindest bei der Constitution im ursprünglichen Bauzustand noch nicht.  

Ein erfolgreiches Merkmal der schweren Fregatten war ihr sogenanntes "spar deck". Durch die feste Verbindung von Achterdeck und Back durch sehr breite Laufbrücken, die nur in der Mitte eine relativ schmale Öffnung beließen, entstand praktisch ein weiteres durchlaufendes Oberdeck. Bei europäischen Fregatten waren Achterdeck und Back zwar auch bereits durch Laufbrücken verbunden, aber diese waren noch relativ schmal ausgebildet oder lediglich durch Grätings verbreitert. Bei den neuen amerikanischen Fregatten wurden diese konsequent in die Gesamtstruktur integriert und konnten in gewissem Umfang auch noch Bewaffnung tragen.  Der Beitrag des Spar Deck zur Längsfestigkeit des Rumpfs war gegenüber diesen Faktiven wahrscheinlich gering (zu strukturellen Besonderheiten mehr im nächsten Abschnitt). 

In der Reling des Oberdecks sind je Seite 15 Stückpforten eingelassen, bemerkenswert sind jene mittschiffs im Bereich der Kuhl, weil bei anderen Fregatten dort keine Geschütze aufgestellt werden konnten.  Es war anscheinend niemals vorgesehen war,  sämtliche Stückpforten des Oberdecks zu bestücken, weil das Gewicht der Geschütze zu groß gewesen wäre - insbesondere, weil für das Oberdeck verhältnismäßig schwere Langrohrgeschütze vorgesehen waren. Die von den Briten im Unabhängigkeitskrieg eingeführten großkalibrigen, aber leichteren Carronaden wurden auf der Constitution erst später aufgestellt (siehe Abschnitt Bewaffnung).  

 

 
Anmerkungen:
1 Donald Canney, S.
2 Hier kommt noch was hin. 
3 Gardiner, Frigates of the Napoleonic Wars, S. 40.