1. Tripolis-Krieg (1801 - 1805)

Vor ca. 200 Jahren kämpften erstmals Amerikaner in der islamischen Welt. Kurz nachdem Jefferson in 1801 amerikanischer Präsident wurde, gab es bereits einen "Krieg gegen den Terror" und zwar gegen die Piraterie der sogenannten Barbaresken.

Zu den so genannten Barbareskenstaaten gehörten Tripolis, Algier und Tunis, die seit dem 16. Jahrhundert Teil des Osmanischen Reichs waren. Deren Stadthaltern wurde vom Sultan freie Hand gewährt, sofern sie einen jährliche Abgabe zahlten und Gefolgschaft in allen außenpolitischen Angelegenheiten leisteten, was bis hin zum Krieg gehen konnte.

Von Anfang an war Piraterie die wichtigste Einnahmequelle. Die Freibeuter nannten sich jedoch nicht Piraten, sondern Korsaren, da sie doch gewissermaßen im Staatsauftrag handelten. Die Jagdmethode auf jedes Segel vor der Küste der Barbareskenländer war einfach: Sie kreuzten das Mittelmeer in kleinen, schnellen Schiffen, brachten die Handelsschiffe auf, überwältigten der Mannschaft  und verschleppten diese zumeist, damit anschließend aus den Heimatländern Lösegelder erpresst werden konnten.

Allerdings gab es auch Möglichkeiten, sich diesen Angriffen zu entziehen: Länder die ihre Schiffe schützen wollten, schlossen Schutzgeldverträge. Freilich konnten sich das nicht alle leisten, so dass vor allem kleiner Staaten und Städte, wie Genua, Malta aber auch Hamburg und Bremen das Mittelmeer stets unter sehr hohem Risiko durchkreuzten.

Seit Mitte des 18. Jahrhunderts befuhren auch amerikanische Schiffe das Mittelmeer. Diese Schiffe waren solange geschützt, als dass sie Teil des britischen Reiches waren. Mit dem Erlangen der amerikanischen Unabhängigkeit, änderten sich diese Verhältnisse. Es war nun an den Amerikanern selbst, entsprechende Schutzgeldverträge abzuschließen. Sie schickten Konsuln nach Algier, Tunis und Tripolis, meist ehemalige Kapitäne, die langjährige, leidvolle Erfahrungen in den Barbareskenstaaten gesammelt hatten. Aus diesem Grund traf in Tripolis in 1799 der ehemalige Seemann James Cathcart ein. Jusseff Karamanli, despotischer Stadthalter von Tripolis, der mit eiserner Hand regierte, vereinbarte mit Cathcart zunächst einen Schutzgeldvertrag, der 18 000 US-Dollar pro Jahr sowie ein einmaliges „Konsulargeschenk“ von 4000 Dollar vorsah. Cathcart war mit diesem Abschluss sehr zufrieden. Karamanli hingegen fand heraus, dass seine Nachbarn, die Herren von Algier und Tunis, zu wesentlich höheren Beträgen abgeschlossen hatten. Er setzte Cathcart daraufhin unter Druck und verlangte im Frühjahr 1801 einen neuen Vertrag mit einem Schutzgeld von 250.000 US-Dollar plus 25.000 US-Dollar Sondervergütung. Cathcart hatte weder Geld noch Verhandlungsspielraum und konnte die Forderung Karamanlis nicht erfüllen, so dass einige Wochen später sein Konsulat gestürmt und die amerikanische Flagge eingeholt wurde. Dies kam einer Kriegserklärung an die USA gleich.

Karamanlis Reich hatte ungefähr die Grenzen des heutigen Libyens: An der knapp 2000 Kilometer langen Küste lagen die Provinzen Tripolitanien im Westen, deren Mittelpunkt die Hauptstadt Tripolis war, und Cyrenaika mit der Provinzhauptstadt Derna im Osten.

Die Kriegsmarine der Vereinigten Staaten war zu diesem Zeitpunkt noch relativ schwach. Da dem amerikanischen Präsidenten Jefferson die Tributzahlungen jedoch ein Dorn im Auge waren, entsendete er ein aus drei Fregatten (Präsident, Essex und Philadelphia) und einer Sloop bestehendes Geschwader auf Beobachtungsmission. Die amerikanische Flotte unter dem Befehl von Kommodore Richard Dale erreichte Gibraltar am 1. Juli 1801 und segelte von dort nach Tripolis weiter. Tripolis, rein geografisch durch ein Riff, aber auch durch eine große Zitadelle und ein Fort geschützt, wurde fortan, also ab Sommer 1801 drei Jahre lang mit einer Seeblockade belegt. Doch der Erfolg war bescheiden und im Oktober 1803 ereignete sich das Fiasko: die Fregatte „Philadelphia“ unter Kapitän William Bainbridge folgte nah der Küste einen tripolitanischen Schiff und lief dabei auf ein Riff. Kanonenboote beschossen daraufhin Masten und Rigg der Fregatte, die ihre Kanonen aufgrund einer starken Schlagseite nicht einsetzen konnte. Ein paar Stunden später ergab sich die Mannschaft ohne Kampf. Karamanli nahm die 308 Mann Besatzung in Gefangenschaft, die Schmach für die junge amerikanische Admiralität war gewaltig. Darüber hinaus stelle die USS Philadelphia mit ihren 44 Kanonen nunmehr eine Gefahr dar, denn Karamanli hätte die Fregatte auch für seine Freibeutermissionen einsetzen können.

Den Vereinigten Staaten war recht schnell klar, dass es unmöglich ist, die USS Philadelphia zurück zu holen. Deshalb entwickelten Sie den Plan, diese wenigstens zu zerstören. Im Februar 1804 war es dann soweit. Ein gut trainiertes und speziell vorbereitetes Elitekommando der Amerikaner unter Leutnant Stephen Decatur erreichte auf der „Intrepid“, einer zuvor gekaperten tripolitanischen Ketsch mit Lateinersegeln, am 04. Februar bei anbrechender Dunkelheit den Hafen von Tripolis. Vor der Küste wartete weiterhin das Fluchtschiff „Siren“. Ein tripolitanisches Wachtboot kam längsseits und verlangte Auskunft, worauf ihm der Lotse antwortete, dass man von Malta käme um junge Bullen zu holen. Noch schöpfte man keinen Verdacht. Im fahlen Licht der Dämmerung zeichneten sich die Umrisse der „Philadelphia“ ab, die im inneren Hafen ankerte. Das Schiff wurde von einer Wachmannschaft gesichert, die Stückpforten waren geöffnet. Ein weiteres Wachtboot näherte sich der „Intrepid“ mit der Aufforderung, sich von der Philadelphia fern zu halten. Doch der Lotse der „Intrepid“ antwortete, dass man unterwegs den Anker verloren habe und ob es deswegen nicht möglich wäre, an der Fregatte fest zu machen. Dies wurde erlaubt, so dass anschließend selbst die Wache der Philadelphia half, das deutlich kleinere Schiff festzumachen. In diesem Moment muss jemand Lunte gerochen haben, denn plötzlich wurde Alarm gegeben. Das Spezialkommando enterte sofort die Fregatte, überwältigte die Wachmannschaft und begann damit, Sprengladungen am Rumpf zu befestigen, was innerhalb weniger Minuten gelang. Jetzt musste alles ganz schnell gehen. Die Lunten wurden in Brand gesteckt und die Amerikaner verließen unter heftigem Beschuss die Fregatte, um wieder auf die „Intrepid“ zu gelangen. Erstaunlich, dass ob des heftigen Beschusses aus den Küstenbatterien die Flucht gelang, und das sogar ohne Verluste. Alle Amerikaner konnten sich auf die „Siren“ retten. Hinter ihnen brannte die „Philadelphia“, löste sich von den Leinen und sank nach einer Explosion.

Die Amerikaner hatten diese fast aussichtslose Mission mit Bravour gemeistert. Dieses Husarenstück, das Großbritanniens Admiral Horatio Nelson mit den Worten: „Der kühnste und verwegenste Coup dieser Zeit“ adelte, gab Offizieren und Mannschaften der jungen US-Navy Selbstvertrauen und neuen Mut. Doch die 308 Seeleute blieben weiterhin in Gefangenschaft. Karamanli forderte eine Million US-Dollar Lösegeld!

Im vierten Kriegsjahr, im Sommer 1804, tauchte abermals ein Einsatzkommando unter Leitung von Commodore Edward Preble vor Tripolis auf. Die aus der Fregatte „Constitution“ (Dreißig 24-Pfündern und sechs 26-Pfündern), sowie 12 Briggs, Schonern und Kanonenbooten bestehende Flotte begann am August 1804 damit das Schloss und die Küstenbatterien zu beschießen, um kurz darauf mit Karamanli in Verhandlungen einzutreten: Insgesamt 90.000 Dollar wurden Karamanli angeboten, der jedoch auf 150.000 US-Dollar Einmalzahlung und zusätzlich zu entrichtenden jährlichen Tribut bestand. Es konnte keine Einigung erzielt werden, so dass die Beschießung weiter ging.

Da sich die Mission, Karamanli von See aus zu besiegen, als ziemlich aussichtslos erwies, schmiedeten die Amerikaner einen anderen Plan. Sie wollten Karamanli stürzen, indem zunächst Ahmed Karamanli, der im ägyptischen Exil lebenden, älteren Bruder des Herrn von Tripolis, in Derna, der Hauptstadt der tripolitanischen Provinz Cyrenaika, als Gegenherrscher inthronisiert wird, um anschließend mit einem Armeekommando auf Tripolis zu marschieren und den Despoten abzusetzen. Mit diesem Geheimauftrag wurde William Eaton betraut, der nach der Einwilligung Ahmed Karamanlis eine ca. 500 Mann starke, wild zusammen gewürfelte Truppe, bestehend aus wenigen Amerikanern, griechischen Söldnern und berittenen Arabern aufstellte. Anschließend machte sich der Tross zu Fuß auf den Weg nach Dema, 800 Kilometer durch die Libysche Wüste.

Eaton kam mit seinen Leuten nur äußerst langsam voran, dazu kamen Versorgungsprobleme und innere Reibereien. Nach über sieben Wochen erreichte Eatons verwegener Trupp endlich die Küstenstadt Derna. Eaton begann unmittelbar mit der Belagerung. Unterstützt wurde er dabei von zwei Kriegsschiffen, die Dema unter Beschuss nahmen. Der Gouverneur von Dema erkannte seine aussichtslose Lage und gab bereits nach kurzer Zeit auf. Beinahe zeitgleich ereilte Eaton jedoch die Meldung, dass man sich mit Jusseff Karamanli geeinigt und einen Friedensvertrag unterzeichnet hatte. Eaton und seine christlichen Soldaten samt Ahmed Karamanli wurden daraufhin von der USS Constellation aufgenommen.

Dieser seltsame Krieg der USA mit Tripolis gehört längst zur stolzen Tradition der US-Marines und findet sich auch im amerikanischen Liedgut wieder. Bis heute lautet es im Text „From the Halls of Montezuma / To the shores of Tripoli, / We fight our country’s battles ...“