Quasi-Krieg (1798 - 1800)

Zwischen 1798 und 1800 bekämpften sich die Vereinigten Staaten und Frankreich in dem so genannten Quasi-Krieg (Quasi War), in den Staaten auch als Unerklärter Krieg mit Frankreich (Undeclared War with France) oder Scheinkrieg bezeichnet, obwohl von beiden Seiten keine offizielle Kriegserklärung erfolgte. Dennoch handelt es sich dabei um den ersten Krieg der Vereinigten Staaten mit einer anderen Nation.


1778 schlossen USA und Frankreich den Treaty of Alliance, auch bekannt als Franco-American Alliance, ab. Darin sollte die Verbundenheit der beiden Nationen zum Ausdruck gebracht werden, welche während der Amerikanischen Revolution auf militärischer und finanzieller Ebene gewachsen war. Hauptelement des Vertrags war die gegenseitige Zusicherung von Hilfsleistungen für den Fall eines Konflikts mit England. Die Franzosen setzten ihre Unterstützung auch nach der amerikanischen Unabhängigkeit fort und gewährten der jungen Nationen hohe Darlehen.


Nach der Französischen Revolution sah man in Washington von einer Rückzahlung ab, denn das Darlehen wurde unter Herrschaft des Monarchen Ludwig XVI. gewährt und dieser sei abgesetzt und damit auch die Verbindlichkeiten erloschen.


Währenddessen kamen sich England und die Vereinigten Staaten wieder näher. 1974 wurde der Jay-Vertrag geschlossen um den Handel zwischen den beiden Ländern wieder zu beleben, denn die Amerikaner waren für Europa ein wichtiger Lieferant für Lebensmittel.


Paris war durch den zwischen USA und England geschlossenen Jay-Vertrag aufgebracht. Dieser Vertrag wurde in Frankreich als Beweis der wachsenden amerikanisch-britischen Freundschaft und als Verstoß gegen den Treaty of Alliance angesehen, weshalb man begann amerikanische Handelsschiffe mit Ziel England aufzubringen. Dabei waren es gerade die Franzosen, die während der Revolutionsjahre auf Getreidelieferungen aus den Vereinigten Staaten angewiesen waren. Jedes Schiff mit englischer Ware wurde als Prise angesehen. Ein französischer Politiker meinte im Scherz, dass sogar die Anwesenheit eines britischen Taschentuchs zur Kaperung berechtige.


Präsident John Adams entsandte 1797 eine Delegation um die Unstimmigkeiten zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und der Französischen Republik auszugleichen. Die drei von Adams beauftragten Diplomaten sollten sich mit dem französischen Außenminister Talleyrand treffen.


Erst nach langen Verzögerungen trafen die Amerikaner auf Mittelsmänner von Talleyrand. Diese forderten neben einer Entschuldigung für kritische Äußerungen des amerikanischen Präsidenten an Frankreich, zusätzlich einen hohen Geldbetrag und Bestechungsgelder vor der Wiederaufnahme von Gesprächen. „Millionen für die Verteidigung, nicht einen Cent für Triute.“, wurde daraufhin in den Staaten zu einem geflügelten Wort.


Überzeugt, dass weitere Verhandlungen hoffnungslos waren, kehrten die drei Kommissare in die Vereinigten Staaten zurück und berichteten ihrem Präsidenten. In ihrem Bericht wurden die französischen Gesprächspartner mit X, Y und Z bezeichnet. Der diplomatische Konflikt ging als XYZ-Affäre in die Geschichte ein.


„Ich werde nie wieder einen Minister nach Frankreich senden, ohne Zusicherungen, dass er als der Vertreter einer großen, freien, mächtigen, und unabhängigen Nation empfangen, geachtet und geehrt wird.“, erklärte Adams daraufhin.


Die Amerikanisch Öffentlichkeit war nach Veröffentlichung der Berichte empört, und der Kongress begann eine Serie von Maßnahme zu erlassen um eine Armee auszuheben und eine Marinenabteilung einzurichten.


Am 25. Juni 1798 wurde ein Gesetz zum Schutz amerikanischer Handelsschiffe (Act to Authorize the Defense of the Merchant Vessels of the United States against French Depredations) verabschiedet. Die fertig gestellten Fregatten President (44), Congress (36) und Chesapeake (36) wurden für den Einsatz vorbereitet.


Zusätzlich wurden einseitige Verträge mit Frankreich annulliert. Private und öffentliche Schiffe wurden ermächtigt französische Schiffe anzugreifen, welche für den amerikanischen Handel eine Gefahr darstellten.


Benjamin Stoddert, er wurde im Juni 1798 Secretary of the Navy, entwarf den Plan die Franzosen in der Karibik zu treffen. Auf der einen Seite konnten die Schiffe der U.S. Navy dort eigene Schiffe eskortieren und gleichzeitig gegen Frankreich fahren. Zu Beginn des Jahres war nur ein Schiff in der Karibik stationiert, am Ende des Jahres sollten es schon 20 sein und 1800 ungefähr 30 mit 700 Offizieren und 5.000 Seeleuten. Gleichzeitig forcierte Stoddert den Ausbau der Marine. Er kaufte große Mengen Holz und Gelände für neue Docks.


Höhepunkt des ersten Kriegsjahrs war die Eroberung der französischen Fregatte l'Insurgente im Februar 1799 durch USS Constellation unter dem Kommando von Thomas Truxtun. Diesen Erfolg verdankte Truxtun dem Unvermögen der französischen Besatzung, denn das schnelle französische Schiff wäre ihm sicher entkommen. Eine Sturmböe traf die Schiffe und die l’Insurgte verlor dabei die Großstenge.


Zusätzlich konnten in im Winter 1798-99 neunzehn französische Freibeuter von amerikanischen Schiffen aufgebracht werden. Die Franzosen reagierten und gegen Ende des Jahres erreichten weitere sechs Kriegsschiffe die Antillen um den amerikanischen Handel zu stören.


Doch die Amerikaner hielten dagegen. Die Constellation besiegte die la Vengeance am 1. Februar 1800 in einem dramatischen Gefecht. Zweimal strich die Vengeance die Flagge, aber aufgrund der schlechten Sichtverhältnisse wurde dies nicht bemerkt. Die Constellation war ebenfalls schwer beschädigt und man konnte die Fahrt erst fortsetzen, nachdem alle Wanten und Stage gekappt wurden. Nachdem man die Vengeance nicht mehr ausmachen konnte, nahm man an diese sei gesunken. Tatsächlich konnte sich das Schiff, obwohl nur noch mit Stümpfen von Besan- und Fockmast ausgestattet, nach Curacao durchschlagen.


Und es gelang sogar in den Hafen von Santo Domingo, die Spanier waren zu dem Zeitpunkt mit Frankreich verbüdnet, einzudringen, und die Kanonen der Festung zu vernageln.


Die Briten betrachteten den Konflikt als lachender Dritte, denn ein weiterer Verbündeter im Kampf gegen das revolutionäre Frankreich kam ihnen gerade recht. Obwohl die Royal Navy und die United States Navy gleichzeitig denselben Feind bekämpften, kam es nicht zu gemeinsamen geplanten oder aufeinander abgestimmten Operationen.


Allerdings verkauften die Engländer Munition und Versorgungsgüter an die amerikanische Regierung. Ein gemeinsames Signalsystem half bei der Identifizierung von Kriegs- und Handelsschiffen.


Präsident Adams wollte jedoch einen großen Krieg mit Frankreich vermeiden. Gleichzeitig befürchtete auch Talleyrand, dass der bisher nur auf See ausgetragene Krieg weiter eskalieren könnte, und stimmte deshalb Gesprächen mit einem neuen amerikanischen Emissär zu.


Dies kam nicht zuletzt auf Druck der Erfolge der United States Navy und der Royal Navy zustande. Zwischen 1798 und 1800 gelang es der U.S. Navy mehr als 80 französische Schiffe zu erobern.


Adams schickte, entgegen der öffentlichen Meinung und Druck der Opposition, 1800 einen Diplomaten nach Frankreich. Nach zähen Verhandlungen stimmte Frankreich schließlich ein den Vertrag von 1778 aufzuheben, wenn die Vereinigten Staaten gleichzeitig finanzielle Ansprüche aufgrund der Schiffsverluste fallen lassen.


Die junge Marine der Vereinigten Staaten konnte einen Achtungserfolg verbuchen, immerhin konnte den Kaperschiffen der Franzosen wirksam Einhalt geboten werden. Dennoch lief nicht alles ohne Probleme ab. Es zeigte sich, dass viele der eiligst für den Krieg umgebauten Handelsschiffe mit ihren schlecht ausgebildeten Seeleuten nicht so effektiv waren. Es fehlten ebenso die Routinen für die Instandsetzung von Schiffen in den Häfen.


Adams diplomatisches Geschick wurde nicht gewürdigt und er wurde nicht wiedergewählt.


Quellen:
  • NAVAL HISTORY BIBLIOGRAPHIES, NO. 4
  • U.S. Department of State
  • Seemacht