William Rush

 William Rush (4. 7. 1756 - 17. 1. 1833) gilt als einer der bedeutendsten frühen amerikanischen Bildhauer. Er schuf die künstlerischen Entwürfe für die Dekorationen der ersten US-Fregatten.

Rush wurde in Philadelphia geboren. Sein eigentliches Gerwerbe war die Bildschnitzerei für Schiffe, dadie er in seiner Heimatstadt erlernte. Erst später schuf er auch andere Skulpturen und war wegen seines außergewöhnlichen Talents sehr geachtet, obwohl er nie eine klassiche künstlerische Ausbildung erhalten hatte. Rush arbeitete nur mit Ton und Holz. Über seine Vorstellung vom Material und seine Arbeitsweise wird berichtet:

"His Time would never permit, or he would have attempted marble. He used to say it was immaterial what the substance was, the artist must see distinctly the figure in the block, and the removing of the surface was merely mechanical. When in a hurry he used to hire a wood-chopper, and stand by and give directions where to cut, by this means he faciliated work with little labour to himself."1

Da Rushs hölzernen Galionsfiguren naturgemäß den Unbilden des Meeres ausgesetzt waren, sind nur wenige seiner Skulpturen erhalten geblieben.

Daß Rush die Entwürfe für sämtliche der sechs ersten Fregatten anfertigte, deuet darauf hin, daß er der einzige verfügbare Künstler war, der für diese Aufgabe kompetent genug erschien.2 Rushs Werkstatt fertigte die Galionsfiguren für vier der Fregatten an. Jene der Constitution wurde von den Skillins in Boston, die für President in New York von Train geschnitzt. Leider scheinen die Entwürfe Rushs verlorengegangen zu sein, so daß für die Bildprogramme der ersten Fregatten lediglich schriftliche Schilderungen und gewisse Hinweise in Form von zeitgenössischen Gemälden existieren. {mosimage}

Für folgende Marineschiffe fertigte Rush die künstlerischen Entwürfe (nicht alle davon in eigener Werkstatt ausgeführt; die Liste ist möglicherweise unvollständig 3):

United States, Fregatte

Constitution, Fregatte

President, Fregatte

Constellation, Fregatte

Congress, Fregatte

Chesapeake, Fregatte

Philadelphia, Fregatte 

John Adams, Fregatte

Maryland, Sloop, 1799 (von Brown, einen Schüler Rushs, evtl. nur indirekte Verbindung)

Pennsylvania, Linienschiff

 

Von der 1804 im Hafen von Tripolis verbrannten Philadelphia wurden  zwei Bruchstücke der Schnitzereien des Hecks geborgen, die sich heute im U.S. Naval Academy Museum in Annapolis befinden.

Für die Dekorationen des Linienschiffs Pennsylvania existieren noch Pläne, welche die vorgesehenen Schnitzereien zeigen. Dies scheint Rushs letzter Entwurf für die Marine gewesen zu sein.  Während die nach 1800 gebauten amerikanischen Schiffe außerordentlich spartanisch mit Schnitzwerk versehen waren, war die Pennsylvania auch im Vergleich mit den Schiffen anderer Nationen  reichhaltiger ausgestattet und scheint im Symbolgehalt an die Dekorationsprogramme der ersten Schiffe der U.S. Navy heranzureichen.   

Während keine der Galionsfiguren der Marineschiffe überdauert hat, existieren von Rushs Arbeiten für zivile Schiffe noch einige Exemplare. Von seinen anderen nichtmaritimem Bildhauerarbeiten existieren auch noch einige hölzerne Originale sowie einige bronzene Abgüsse.

Rush war Mitglied des Stadtrats und Direktor der Pennsylvania  Academy of Fine Arts. Er starb 1833 in Philadelphia. 

 

Anmerkungen

1 Dunlap, History of the Rise and Progress, S. 315

2 Sessions, William Rush, S. 1. 

3 Zusammengestellt nach den Hinweisen bei Canney, Sailing Warships.

William Doughty

Der Schiffbauer William Doughty (1773-1859) war während des Entwurfs und Baus der ersten sechs Fregatten der U.S. Navy Assistent Joshua Humphreys'.

Doughty arbeitete bereits auf Humphreys'  Werft in Philadelphia, als dieser mit den Entwürfen von Fregatten für die Marine beauftragt wurde. Er war an den Entwürfen der Fregatten von 44 und 38-Kanonen beteiligt (Constitution- und Constellation-Klasse). Einer der erhaltenen Pläne der großen 44er-Fregatten wurde von Doughty gezeichnet.

Doughty wurde später selbst Konstrukteur für die Marine und entwarf zahlreiche Schiffe. Nachdem der 1812 der Krieg mit Großbritannien ausgebrochen war und Kriegsschiffneubauten erforderlich schienen, wandte man sich 1813 an Doughty, der Entwürfe für neue Fregatten und Sloops liefern sollte. Erst jetzt, nachdem sich die großen 24-Pfünder-Fregatten Humphreys' gegen die britischen Gegner so überaus gut bewährt hatten, sollten neue Schiffe dieser Größe gebaut werden. Doughtys Fregattenentwurf war geringfügig größer als die Schiffe der Constitution-Klasse, besaß etwas völligere Linien, einen geringeren Sprung und eine verminderte Einweichung der Seiten - insgesamt eine nach den Auffassungen der Zeit modernisierte Version des alten Entwurfs.  Zwei der Fregatten,Guerriere und Java, wurden zwar 1814 fertiggestellt, konnten aber wegen der britischen Blockade nicht mehr aktiv werden. Die dritte der Fregatten, die Columbia, wurde im August 1814 während der britischen Eroberung Washingstons in schon weit fortgeschrittenem Bauzustand auf der Helling verbrannt. Doughty blieb bis 1837 als Marinekonstrukteur aktiv. Er entwarf folgende Schiffe:

Guerriere, Java, Fregatten

Columbus, Linienschiff

North Carolina, Linienschiff 

Alligator-Klasse, Sloops

Argus-Klasse

Wasp-Klasse

sowie Kanonenboote und "Galeeren".  

 

Literatur  

Tyrone Martin, A Most Fortunate Ship 

Donald Canney, Sailing Warships of the U.S. Navy   

American Ships of the Line Part I,  Historical Narrative on Development, http://www.hazegray.org/danfs/line/sotl.htm

 

 

 

 

Joshua Humphreys

Humphreys AutographAuf den Schiffbauer Joshua Humphreys gehen Konzept und Entwurf der Fregatten der Constitution-Klasse zurück. Humphreys  wurde am 17. Juni 1751 in Haverford (Pennsylvania) geboren.
 
Die aus Wales stammende Quäker - Familie Humphreys kam Ende des 17. Jahrhunderts nach Amerika und ließ sich in Haverford nieder. Joshua Humphreys' Großvater Daniel erwarb Land und baute 1730 ein Haus, Pont Readgin. Dieses ist noch erhalten und gilt heute als ausgezeichnetes Beispiel für die koloniale Architektur des 18. und 19. Jahrhunderts.  Sein älterer Bruder Charles (1714-1786) vertrat als Delegierter Pennsylvania im Continental Congress und stimmte gegen die Unabhängigkeit, da eine Eskalation des Konflikts gegen seine Überzeugung war.

Joshua Humphreys begann eine Ausbildung auf einer Werft in Philadelphia, konnte diese jedoch aufgrund des Ablebens seines Lehrherrn nicht abschließen.

Während des Amerikanischen Unabhängigkeitskrieges arbeitete Humphreys auf der Werft seines Vetters Wharton in Philadelphia. Wahrscheinlich war er am Enwurf der Fregatte Randolph der kontinentalen Marine beteiligt. 1779 baute Humphreys die kleine, vollgetakelte Sloop Saratoga, deren Pläne nicht überliefert sind. Während des Krieges wurde vom Kongress der Bau dreier Linienschiffe beschlossen, von denen zwei jedoch wegen Geldmangels nicht realisiert wurden. Von Joshua Humphreys existieren zwar Halbmodell und Plan für ein Linienschiff, aber die überlieferten Dimensionen der tatsächlich gebauten America unterscheiden sich davon, so daß man annehmen kann, daß das Schiff nach einem anderen Entwurf gebaut wurde, möglicherweise nach einem von William Hackett1
 
USS United StatesAls der Kongress 1794 den Bau von sechs Fregatten genehmigte, sollte Humphreys die Verantwortung  für die Entwürfe übernehmen; bereits Ende 1793 hatte er dem Secretary of War entsprechende Konzepte vorgestellt. Am 28. Juni 1794 wurde Humphreys zum Naval Constructor ernannt und arbeitete zusammen mit den Assistenten Josiah Fox und William Doughty an den Entwürfen.
Das Resultat waren zwei verschiedene Klassen: eine größere von nominell 44 Kanonen (Constitution-Klasse) und eine etwas kleinere von 36 (Constellation-Klasse). Beide Entwürfe waren größer als als die meisten zeitgenössischen Fregatten, aber insbesondere die Constitution-Klasse  erwies sich als äußerst schlagkräftig. Auf Humphreys' eigener Werft in Philadelphia wurde von diesen sechs ersten Fregatten der U.S. Navy die United States (Constitution-Klasse) unter Aufsicht von John Barry gebaut. Nach Humphreys' eigener Aussage soll der damalige Präsident George Washington den Bau der United States mit großem Interesse verfolgt und die Werft mehrfach besucht haben. 
 
Bau der Fregatte Philadelphia 1798-99
1798-1799 entstand auf Humphreys'  Werft noch die "subscription frigate" Philadelphia (auch: City of Philadelphia). Interessanterweise wurde das Schiff nicht nach einem Entwurf von Humphreys' selbst gebaut, sondern nach dem seins ehemaligen Untergebenen Josiah Fox gebaut, zu dem  Humphreys ein  schwieriges Verhältnis pflegte. Die Ausführung dieses Baus lag in den Händen von Humphreys' Sohn Samuel und zwei weiteren Schiffbauern. 
 
1799 faßte der Kongreß den ehrgeizigen Beschluß, neben weiteren kleineren Schiffen auch zwölf Linienschiffe von 74 Kanonen zu bauen.  Humphreys fertigte einen entsprechenden Entwurf für ein Linienschiff an, aber das Bauprogramm wurde nicht umgesetzt. Unter der Präsidentschaft Thomas Jeffersons wurde der Bau neuer Hochseekriegsschiffe vorerst eingestellt.  Der neue Secretary of the Navy, Robert Smith, teilte Humphreys im Oktober 1801 mit,  daß, da der Bau der projektierten Linienschiffe erst beginnen solle, wenn das Bauholz ausreichend abgelagert sei,  "the station which you hold as a naval constructor has therefore become unnecessary." Humphreys wurde  zum 1. November 1801 aus seiner Position entlassen. Das bereits gesammelte Baumaterial  hatte in der Tat sehr viel Zeit abzulagern, denn es wurde dann erst für die während des Krieges von 1812 begonnenen Linienschiffe verwendet.  Nur für eines der drei Linienschiffe der Kriegszeit sind Pläne überliefert, und zwar für  Franklin. Dieses Schiff wurde von Samuel Humphreys, dem Sohn Joshuas, entworfen, und ist dem Plan von 1799 nicht unähnlich.2
 
Humphreys war Mitglieder der American Philosophical Society. Er starb am 12. Januar 1838. Joshua Humphreys' Sohn Samuel war ebenfalls Schiffbauer und entwarf als Chief Constructor of the Navy zwischen 1826 und 1846 eine große Anzahl von Schiffen für die Marine, darunter einige der letzten Generation der Segelkriegsschiffe.
 
Die U.S. Navy ehrte Humphreys durch die Benennung zweier Schiffe:  USS Humphreys (DD-236), 1919 - 1945 war ein Zerstörer der Clemson - Klasse.  USNS Joshua Humphreys (T-AO-188), Baujahr 1983 und derzeit aufgelegt, ist ein Marinetanker.
 
 
Realisierte Kriegsschiffsentwürfe von Joshua Humphreys waren:
 
 
Randolph, Fregatte, 1776 (vermutlich zusammen mit Wharton entworfen)
 
Saratoga, Fregatte, 1779 (vermutlich zusammen mit Wharton entworfen) 
 
United States, Constitution, President, Fregatten, 1797-1800
 
Constellation, Congress, Fregatten, 1797
 
Möglicherweise dienten für die 1814 vom Stapel gelaufenden Linienschiffe Independence und Washington  die Entwürfe Humphreys' von 1799 als Grundlage.3 
 
 
Anmerkungen
 
1: Donald Canney, S. 22.
2 :Howard Chapelle, S. 284. 
3 :Donald Canney, S. 90.